Deutsch-Bulgarische Gesellschaft hat neuen Vorstand
Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft in Leipzig hat einen neuen Vorstand. Genka Lapön heißt die jetzige Präsidentin. Sie stammt aus Bulgarien und arbeitet bei der Stadt Leipzig als Gleichstellungsbeauftragte. Der bisherige Vorsitzende Tristan Lang unterstützt Lapön als Vizepräsident. Das Amt des Geschäftsführers versieht Dietmar Endler. Um die Finanzen kümmert sich der Schatzmeister Ralf Engelbrecht. Veronika Schöneberg, Rolf Pankrath und Manfred Böttcher arbeiten als Beisitzer im Vorstand mit. Ziel der Gesellschaft ist es, Brücken zwischen Leipzig und Sofia sowie den anderen Städten in Bulgarien zu bauen. Als besonderes Anliegen bezeichnet es Genka Lapön, „die Vielfalt Bulgariens, die kulturellen Traditionen und den Beitrag des bulgarischen Volkes für die Völkerverständigung in Europa bekannt zu machen“. Zu den Aktivitäten des Vereins gehören die Herausgabe eines Mitteilungsblattes sowie die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen wie Vorträge und Lesungen bulgarischer Schriftsteller und Dichter. Diese Tätigkeiten will Lapön auf dem „bisherigen hohen Niveau“ fortführen. Handlungsbedarf sieht sie bei der Gewinnung neuer Mitglieder, deren Zahl im Moment nur knapp über 20 beträgt. „Die Gesellschaft bekannter zu machen sowie aktive Mitglieder zu gewinnen“ gibt sie als ihr wichtigstes Ziel an. Um das zu erreichen, denkt sie an ein Bündel von Maßnahmen, das sie zusammen mit dem neuen Vorstand umsetzen will: Die Kontakte zu den Medien müssen aktiviert, der Austausch mit Institutionen und Unternehmen in Bulgarien intensiviert werden. Nach dem Wunsch von Lapön soll sich die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft auch zu aktuellen Themen aus Bulgarien äußern. Sie denkt dabei etwa an das Schicksal der bulgarischen Krankenschwestern in Libyen oder an die Situation von Unternehmerinnen in Bulgarien. Außerdem will sie einen Jahreshöhepunkt für die Mitglieder und Freunde der Gesellschaft ins Leben rufen. Einen solchen Höhepunkt gibt es in Leipzig bereits. Jedes Jahr feiern Bulgaren in Leipzig ihren Nationalfeiertag, den 3. März. Damit gedenken sie des Friedens von San Stefano, der am 3. März 1878 den russisch-türkischen Krieg beendete. Weil Bulgarien durch diesen Krieg von der fast 500 Jahre andauernden osmanischen Fremdherrschaft befreit wurde, verbinden die Bulgaren mit diesem Datum die staatliche Wiedergeburt ihres Landes. Diesen Anlass feiern sie auch alljährlich in Leipzig mit bulgarischer Musik, mit heimatlichen Getränken und Speisen. In Leipzig gibt es derzeit 425 Bulgaren. Viele von ihnen leben auf Dauer hier, andere nur auf Zeit, etwa die Studenten. Durch den Beitritt ihres Landes zur Europäischen Union zum 1. Januar 2007 genießen sie den Status von EU-Bürgern. mb"
"Religionen:Über die Kirche in Bulgarien spricht Kirchenhistoriker Hans-Dieter Döpmann aus Berlin am Mittwoch um 18 Uhr im Neuen Rathaus, Raum 263. Der Professor gibt auf Einladung der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft in Leipzig einen Einblick in Geschichte und Gegenwart der bulgarischen orthodoxen Kirche und anderer Glaubensgemeinschaften."
"EU-Projekte in Bulgarien vorgestellt Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft in Leipzig stellt zwei Projekte der Europäischen Union mit Bulgarien vor. Die Veranstaltung beginnt heute 17.30 Uhr im Europa-Haus Leipzig, Katharinenstraße 11. Sie erfolgt in Zusammenarbeit mit dem Europa-Haus Leipzig. Uwe Büttner von der Universität Leipzig berichtet über das multimediale Lehrwerk „Bulgarisch für Ausländer“. Im Anschluss daran schildern Marie und Dieter Künstling von der IAK Agrar Consulting GmbH ihre Erfahrungen aus der technischen Zusammenarbeit mit Bulgarien in der Landwirtschaft. Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft wurde 1992 gegründet und bemüht sich um die Völkerverständigung. Ihr gehören 25 Mitglieder an. Ziel ist es, eine Brücke zwischen Leipzig und Bulgarien zu bauen. M. B."
Literaturwissenschaft:Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft lädt heute von 18 bis 20 Uhr ins Neue Rathaus, Raum 261, ein. Dort spricht der Literaturwissenschaftler und Übersetzer Norbert Randow über: „Wie eine Übersetzung entsteht. Zur deutschen Ausgabe der Erzählungen des bulgarischen Autors Dejan Enev“.
Veranstaltung
Am Montag sind die in Leipzig lebenden Bulgaren in Feierlaune. Dann wird der Nationalfeiertag begangen. Darauf weist die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft in Leipzig hin. Mit diesem Feiertag gedenken sie der Wiedererlangung der staatlichen Selbstständigkeit ihres Landes im Jahre 1878 nach fast 500 Jahren osmanischer Fremdherrschaft. Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft Leipzig wurde im Sommer 1992 als unabhängige und gemeinnützige Vereinigung gegründet. Deutsche, Freunde Bulgariens, die über den Beruf oder als Touristen engere Bindung zu dem Balkanland fanden, und Bulgaren, die in dieser Region leben und arbeiten, haben sich zusammengefunden. Ihr Ziel ist, über Bulgarien, seine Geschichte und Gegenwart, seine Landschaften und Sehenswürdigkeiten, seine Kultur und Literatur zu informieren und so zum besseren gegenseitigen Kennenlernen beizutragen, erklärt ein Sprecher der Gesellschaft. Diese arbeitet mit dem Europa-Haus Leipzig und außerdem mit der Leipziger Universität zusammen. Die erste Veranstaltung nach dem Nationalfeiertag findet am Mittwoch statt. Von 18 bis 20 Uhr spricht Ulrich Ermann im Neuen Rathaus, Raum 259, zum Thema „Forschen über Wirtschaft und Gesellschaft im modernen Bulgarien. Ergebnisse und Erlebnisse.“ Der Eintritt ist frei, eine Anmeldung nicht erforderlich. Manfred Böttcher
Lesung:Anlässlich des Tages des slawischen Schrifttums und der bulgarischen Kultur lädt die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft Leipzig für heute in die Galerie für zeitgenössische Kunst, Karl-Tauchnitz-Straße 11, Leipzig, ein. Die Veranstaltung beginnt um 17.15 Uhr.
Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft beteiligt sich an den heute beginenden Interkulturellen Wochen. Vortragende ist dieses Mal Inge Bell. Die Veranstaltung findet am Mittwoch im Europa-Haus Leipzig, Katharinenstraße 11, statt. Beginn ist um 18 Uhr. Unter dem Titel "Verkauft, versklavt, zum Sex gezwungen – Wer hilft Bulgariens jungen Mädchen aus der Zwangsprostitution?" stellt Frau Bell ihr Projekt gegen Frauenhandel und Prostitution in Bulgarien vor. Die Journalistin bezeichnet sich selbst als "Aktivistin gegen Menschenhandel". Vom Netzwerk Europäische Bewegung - Deutschland wurde ihr im Jahr 2007 der Preis "Frauen Europas - Deutschland" verliehen. Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft wurde 1992 gegründet und bemüht sich um die Völkerverständigung. Ihr gehören 30 Mitglieder an. Ziel ist es, eine Brücke zwischen Leipzig und Bulgarien zu bauen. mb
Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft lädt heute Abend zu einer Begegnung mit dem bulgarischen Schriftsteller Georgi Gospodinov. Dieser wird aus seinen Werken auf Deutsch und Bulgarisch vortragen. Die Veranstaltung findet im Europa-Haus Leipzig, Katharinenstraße 11, statt und beginnt um 18 Uhr. Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft wurde 1992 gegründet und bemüht sich um die Völkerverständigung. Ihr gehören 30 Mitglieder an. Ziel ist es, eine Brücke zwischen Leipzig und Bulgarien zu bauen.
Bulgarien-Vortrag:Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft lädt ein zu einem Bildervortrag über Bulgarien. Die Veranstaltung findet am Freitag im Europa-Haus Leipzig, Katharinenstraße 11, statt. Sie beginnt um 18 Uhr. Es referiert Frank Roloff von der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft in Darmstadt. Gezeigt werden Sehenswürdigkeiten aus den Rhodopen, ein Gebirge im südlichen Bulgarien. Zu sehen sind unter anderem Bilder von Perperikon und Tatul. Der Eintritt ist frei.
Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft Leipzig hat in ihrem aktuellen Mitteilungsblatt zwei Buchtipps für die Fans bulgarischer Literatur. Beide Werke wurden gerade ins Deutsche übersetzt. Zum einen geht es um das Buch „Bulgarien“, herausgegeben von Mirela Ivanova, übersetzt von Gabi Tiemann. Es beinhaltet Gedichte von Galina Nikolova, Boiko Lambovski und Plamen Doinov auf Bulgarisch und Deutsch. „Es ist das Ergebnis einer Übersetzerwerkstatt des Künstlerhauses Edenkoben der Stiftung für Kultur des Landes Rheinland-Pfalz“, so Vereinsmitglied Dietmar Endler. Im Mai 2007 trafen sich in Plovdiv drei deutsche Dichter mit ihren bulgarischen Kollegen, um an der Übersetzung zu arbeiten. Zu haben ist das 94-seitige Buch zum Preis von 17,80 Euro beim Verlag Das Wunderhorn. Der zweite Tipp ist der Roman „Man nannte ihn Ombre“ von Emil Tonev. „Er erzählt die Geschichte eines Mannes, den es in eine Gemeinschaft von Aussteigern unterschiedlicher Herkunft verschlägt“, erklärt Endler. „Sie verdienen im Gebirge als Köhler ihren Unterhalt.“ Angelehnt sei das Buch mit Titel und Figuren an den Western „Man nannte ihn Hombre“, der 1967 in den USA erschien und die damals gängigen Western-Klischees infrage stellte. Zu haben ist das von Ines Sebesta übersetzte Werk im Klagenfurter Wieser-Verlag für 18,80 Euro. lp
Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft in Leipzig setzt auf Kontinuität. Der Verein hat den Vorstand im Amt bestätigt. Genka Lapön heißt die alte und neue Präsidentin. Sie stammt aus Bulgarien und arbeitet bei der Stadt Leipzig als Gleichstellungsbeauftragte. Tristan Lang unterstützt Lapön als Vizepräsident. Das Amt des Geschäftsführers versieht Dietmar Endler. Um die Finanzen kümmert sich der Schatzmeister Ralf Engelbrecht. Ihm ist es gelungen, die Beitragsrückstände auf Null zu fahren. Veronika Schöneberg, Rolf Pankrath und Manfred Böttcher arbeiten als Beisitzer mit. Anliegen der Gesellschaft ist es, Brücken zwischen Leipzig und Sofia sowie den anderen Städten in Bulgarien zu bauen. Zu den Zielen der Gesellschaft erklärte Lapön: „Wir sind vor allem ein Kulturverein, der helfen will, Geschichte und Gegenwart Bulgariens in unserer Region bekannt zu machen, das Land und seine Menschen in Leipzig und darüber hinaus näher zu bringen und so ganz konkret zum besseren Miteinander im vereinten Europa beizutragen.“ Zu den Aktivitäten des Vereins gehörten die Herausgabe eines Mitteilungsblattes sowie die Durchführung von kulturellen Veranstaltungen wie Vorträge und Lesungen bulgarischer Schriftsteller und Dichter. Daneben würden aktuelle Vorgänge in Bulgarienbeleuchtet. Außerdem würden touristische Impressionen von Sehenswürdigkeiten abseits der üblichen Touristenpfade gezeigt. Diese Tätigkeiten will Lapön auf dem „bisherigen hohen Niveau“ fortführen. Handlungsbedarf sieht sie bei der Gewinnung neuer Mitglieder, auch wenn deren Zahl in den vergangenen zwei Jahren um knapp 50 Prozent auf 33 gesteigert werden konnte. „Die Gesellschaft bekannter zu machen sowie aktive Mitglieder zu gewinnen“ gibt sie als ihr wichtigstes Ziel an. mb
Bulgarien-Verein Die Leipziger Deutsch-Bulgarische Gesellschaft (DBG) lädt am kommenden Mittwoch um 18 Uhr zu ihrer nächsten Veranstaltung ins Neue Rathaus, Martin-Luther-Ring 4–6, Raum 259, ein. Unter dem Motto „Zwei Jahre EU – Erfahrungen und Hoffnungen der Bulgaren“ berichten Caroline Kieke und Thielko Grieß von Radio Mephisto von ihrer Tramping-Tour. „Der Abend ist ein gemeinsamer Beitrag des Vereins Europa-Haus Leipzig mit der EU-Informationsstelle Europe Direct und der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft zu den Interkulturellen Wochen“, erklärte DBG-Präsidentin Genka Lapön. Mehr Infos gibt es per Telefon unter 0341 6013914 oder per E-Mail unter dietmarendler@gmx.de.
Diskussion: Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft trifft sich heute von 18 bis 20 Uhr im Neuen Rathaus, Raum 495. Dort spricht Christian Schmigiel vom Leibniz-Institut für Länderkunde zum Thema "Sozialräumlicher Wandel in Stadtregionen des mittleren und östlichen Europas. Neue Formen des geschlossenen und bewachten Wohnens in Sofia" mit Diskussion.
Bulgarisch: Über die bulgarische Sprache referiert Hilmar Walter morgen ab 18 Uhr im Neuen Rathaus, Turmzimmer 270. Der Professor gibt auf der Veranstaltung der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft Einblicke in Tendenzen, Fragen und Perspektiven der modernen Sprachentwicklung in Bulgarien.
An diesem Tag wurden wir gleich an zwei Stellen in der LVZ erwähnt:
Auf Seite 18:
Heute finden anlässlich der Interkulturellen Wochen in Leipzig folgende Veranstaltungen statt: (…)
18 Uhr: Deutsch-bulgarische Projekte - die Situation bulgarischer Heimkinder und die Probleme sozialpädagogischer Arbeit in Bulgarien - ein Erfahrungsbericht von Mirko Schwanitz im Neuen Rathaus, Raum 259, Martin-Luther-Ring 4-6. (…)
Auf Seite 20:
Deutsch-Bulgarische Gesellschaft
Korrespondent berichtet über Kinderheime
Über deutsch-bulgarische Projekte, die Situation bulgarischer Heimkinder und die Probleme sozialpädagogischer Arbeit in dem Land kann man heute Abend ab 18 Uhr im Neuen Rathaus (Raum 259) mehr erfahren. Dazu lädt die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft nicht nur ihre Mitglieder, sondern alle Interessenten im Rahmen der Interkulturellen Wochen zum Vortrag mit Mirko Schwanitz ein. Er ist seit fast 20 Jahren freier Südosteuropa-Korrespondent für die Hörfunksender der ARD und seit 1999 Vorsitzender des Vereins zur Förderung bulgarischer Kinderheime. Denn - was wohl die wenigsten wissen - Bulgarien gilt als das Land mit den meisten Heimkindern Europas. A. Rau
Vergessene Heimkinder
Korrespondent Mirko Schwanitz erzählt, warum sich ein deutscher Verein in Bulgarien engagiert Die Interkulturellen Wochen waren der Anlass für die Deutsch-bulgarische Gesellschaft und deren Präsidentin, Leipzigs Gleichstellungsbeauftragte Genka Lapön, Mirko Schwanitz aus Berlin an die Pleiße zu holen. Seit fast 20 Jahren freier Südosteuropa-Korrespondent für die Hörfunksender der ARD, lud er einmal mehr zum "Blick über den Tellerrand" ein: Als Vorsitzender des 1999 gegründeten Vereins zur Förderung Bulgarischer Kinderheime. Im LVZ-Stadtsofagespräch erzählt er, wie es dazu kam. Schuld ist etwas, was Journalisten ab und an mal passiert. Ein aus unterschiedlichsten Gründen nicht veröffentlichter Artikel. Oft habe ihn der Beruf nach Bulgarien geführt. 1996, sagt Schwanitz, mit dem direkten Auftrag, zu schauen, wie es um die Heime steht. "Was ich vorfand, hat mich entsetzt und berührt. Vor allem auch in Einrichtungen für geistig- und körperlich behinderte Kinder. Sie waren unterernährt, falsch medikamentiert, erfuhren Gewalt, hatten Anzeichen von hospitalisierten Selbstverletzungen. Hilfe bekamen die Heime kaum. Während EU-Mittel für so etwas nach der politischen Wende beispielsweise Rumänien erreichten, schienen sie um Bulgarien einen Bogen zu machen. Dabei gilt das Land als das mit den meisten Heimkindern in der Europäischen Union. Schwanitz wollte helfen. Was sich schwierig gestaltete. Vor ihm waren bereits etliche da und hatten das auch gewollt - ließen sich aber nie wieder blicken. Das Vertrauen in ausländische Besucher war ergo ziemlich im Eimer. Trotzdem: Die Reportage kam zustande. Und Schwanitz hoffte, damit nicht zuletzt für die Kinder des Plovdiver Heimes "Maria Luisa" in Deutschland Unterstützung aufzutreiben. Nur: Der Bericht wurde nie veröffentlicht. "Und ich hatte ein Gewissensproblem", so Schwanitz. Selbiges mündete erst in einer privaten Hilfsaktion, 1999 in einem Verein, der heute 40 Mitstreiter zählt. "Sicher, wir sind anfangs auch etwas naiv losgezogen, haben Lehrgeld gezahlt", sagt Schwanitz. "Doch das Plovdiver Heim von 1996 - mit einsturzgefährdetem Dach, mit Ratten, einer Toilette für 50 Mädchen - ist inzwischen Geschichte." Mit viel Engagement und eingesammelten Geld sorgten er und die Seinen dafür, dass heute in Plovdiv "das modernste Kinderheim Bulgariens für 100 Mädchen und Jungen steht". In Reihenhaus-Form. Mit ordentlichen Wohnbedingungen. "Therapeutisch-künstlerisch" mit den Kindern und beispielsweise Leipzigs Kulturbund ausgestaltet. "Gleichwohl wir uns weiterhin dort kümmern: In eigene Regie übernehmen und so den Staat womöglich aus der Verantwortung entlassen, wollen wir nicht", betont Schwanitz. Er bescheinigt den bulgarischen Heimerziehern "viel Liebe für die Kinder" - wenngleich ihr Beruf zu den am schlechtesten bezahlten (200 Euro im Monatsschnitt) und am wenigsten geschätzten Jobs im Land zählt. Nicht zuletzt mangele es aber an qualifiziertem Personal. "Da gibt es Kinder, die Gewalt erfahren haben, die zusehen mussten, wie der Vater die Mutter erschlug. Kinder, die in Kliniken einfach liegengelassen wurden. Oder Kinder, wo Eltern jahrelang im Ausland arbeiten, Großeltern überfordert oder eines Tages hinfällig sind, die Kinder sie voll pflegen statt zur Schule zu gehen. Solche Kinder bedürfen professioneller Zuwendung", denkt Schwanitz. Der Verein brachte schon mal Geld auf, um der Leiterin und Psychologin des "Maria Luisa"-Heimes eine Qualifizierung zu ermöglichen. Der Aufbau eines Therapiezentrums für missbrauchte und traumatisierte Kinder gehört zu den aktuellen Projekten. Da, wo den Helfern Schützlinge über Jahre ans Herz gewachsen sind, drängte sich indes auch die Sorge auf, was aus ihnen wird, sind sie dem Heimalter entwachsen. "Meist landen sie ohne Perspektive schlicht vor der Tür", weiß Schwanitz. Vor allem betreffe dies den Roma-Nachwuchs, der rund 80 Prozent der Heimkinder ausmacht. Seit 2007 sei der Verein daher dabei, ihnen mit Partnern eine Berufsausbildung mit Perspektiven in ihrem Land zu ermöglichen: in einer Schneiderwerkstatt, Ausbildungsküche, Lehrschneiderei... Inzwischen unterstützt der Verein in Bulgarien drei Heime mit mehr als 250 Kindern und Jugendlichen. Gleichwohl sei es mit dem Helfen in Bulgarien nicht leicht, Notwendige Genehmigungen scheiterten oft an eigenwilligen Auslegungen, überholten Vorschriften des Landes oder unpraktikablen EU-Verordnungen. Nicht zuletzt sei das große Heimkinder-Problem der Regierung wohl auch peinlich, denkt Schwanitz. Öffentlich werde es schon mal "geschönt". Und kritische Berichte bulgarischer Journalisten äußerst ungern gesehen. "Die bulgarische Regierung hat jetzt auch ganz groß erklärt, bis 2013 werde es in Bulgarien keine Heimkinder mehr geben. Wie das gehen soll, ist mir ein Rätsel", schüttelt Schwanitz den Kopf. "2001 gab es laut einer Zählung 35 000. In diesem Jahr sollen es schon nur noch 9000 sein." Ihm jedenfalls scheint der rechte Glaube daran zu fehlen. Angelika Raulien @www.bulgarische-kinderheime.de
Deutsch-Bulgaren
Lapön bleibt Präsidentin
Die
Deutsch-Bulgarische Gesellschaft in Leipzig hat einen neuen Vorstand
gewählt. Präsidentin Genka Lapön, Geschäftsführer Dietmar Endler sowie
die Beisitzer Rolf Pankrath und Veronika Schöneberg wurden in ihren
Ämtern bestätigt. Neuer stellvertretender Präsident wurde Manfred
Böttcher. Gudrun Franke (Schatzmeister), Rumjana Riemschneider und
Markus Weich (beide Beisitzer) gehören dem Vorstand erstmals an. Die
alte und neue Präsidentin nannte als wichtigste Ziele für die neue
Wahlperiode die Kooperationen mit dem Europa-Haus und mit der
Universität Leipzig. Aufgebaut und intensiviert sollten Kontakte zu
Unternehmen aus Leipzig, die in Bulgarien tätig sind oder mit
bulgarischen Firmen zusammenarbeiten. Die Deutsch-Bulgarische
Gesellschaft wurde 1992 gegründet. Ihr gehören 35 Mitglieder an. Ziel
ist, eine Brücke zwischen Leipzig und Bulgarien zu bauen. mi
Lesung:Am Dienstag stellt Thomas Magosch ab 18 Uhr sein
Bulgarien-Buch "Das gebrauchte Zepter am goldenen Sandstrand" vor. Der
Verein Europa-Haus Leipzig lädt dazu in die Handwerkerpassage, Markt 10,
ein.
Deutsch-Bulgaren
Vortrag über Nobelpreisträger
Emilia Staitscheva spricht am Donnerstag über den in Bulgarien geborenen Literaturnobelpreisträger Elias Canetti. Die Veranstaltung beginnt um 18 Uhr im Europa-Haus Leipzig am Markt 10. Sie wird in Kooperation der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft Leipzigs mit dem Europa-Haus Leipzig und der Südosteuropa-Gesellschaft durchgeführt. Das Thema lautet: "Ich bin Bulgarien aus mehr als einem Grunde dankbar ' - Bulgarien in den autobiografischen Schriften von Elias Canetti (1905 bis 1994)." Nach dem Vortrag von Staitscheva wird ein Kurzfilm gezeigt, anschließend kann diskutiert werden. Freunde und Bekannte der Deutsch-Bulgarischen Gesellschaft sind willkommen. Der Eintritt ist frei. Elias Canetti wurde am 25. Juli 1905 in der bulgarischen Donaustadt Russe geboren. Er verbrachte seine ersten sechs Kindheitsjahre in Bulgarien. Danach lebte er in England, Österreich, der Schweiz und in Deutschland. 1981 erhielt er "für sein schriftstellerisches Werk - geprägt von Weitblick, Ideenreichtum und künstlerischer Kraft - den Literaturnobelpreis. Die Deutsch-Bulgarische Gesellschaft Leipzig wurde 1992 gegründet und bemüht sich um die Völkerverständigung. Ihr gehören 35 Mitglieder an. Ziel ist es, eine Brücke zwischen Leipzig und Bulgarien zu bauen.mb